Kurzfilm Festival Hamburg

Der Kurzfilm ist die offenste, experimentellste, schnellste, mutigste, abstrakteste, härteste, diskursivste, reaktivste Filmkunstform. Dabei muss er zugleich ungeheuer diszipliniert sein. Seine Kunst ist die Festlegung. Unter Umständen auf das eine Bild, die eine Einstellung, die eine Fahrt, den einen Dialog. Er hat keine Zeit. Er hat nur diese eine Chance. Man verzeiht ihm nichts. Er ist das Medium für die künstlerische Selbsterkundung, für die Suche nach der vorläufig absoluten Form, für die Unverschämtheit, für das Grenzwertige. Kurzfilm ist nicht nur ein Wirkungsort für etablierte Künstler*innen, für die das Format den Zugang in die Galerien und Museen ermöglicht hat, sondern auch für viele junge Filmschaffende.

Sein Ort ist das Kurzfilm Festival Hamburg. Seit seiner Gründung 1985 feiert das Festival den unabhängigen Kurzfilm als eigenständige Kunstform, bringt Filmschaffende aus allen Teilen der Welt zusammen und vor ein debattierfreudiges Publikum. Das Kurzfilm Festival Hamburg eines der größten Kurzfilmfestivals der Bundesrepublik - umso wichtiger ist es, einen großen Bogen zu schlagen der jährlichen Produktionen und damit dem zeitgenössischen Autoren*innenkino eine Bühne zu geben. Möglich ist das in der engen Zusammenarbeit mit dem Metropolis Kino, dem Kommunalen Kino der Stadt, als auch mit anderen Kino-Denkorten: 3001, B-Movie, Filmraum, Lichtmess und dem zeise Kino. Über 400 Filme treffen auf 15000 Zuschauer*innen.

Das Herzstück des Festivals sind die drei großen Wettbewerbe: Der Internationale Wettbewerb gibt weltweite ästhetische Tendenzen und neue narrativen Strukturen wider. Auch experimentellere Arbeiten und Materialforschungen finden hier ihren Platz. Im Deutschen Wettbewerb versammelt es die landesweite Kurzfilm- und Filmhochschulszene. Die Spannbreite der Auswahl beider Wettbewerbe umfasst alle Möglichkeiten der filmischen Sprache: hybride Dokumentarfilme, neben essayistischen Experimentalfilmen – Animationen treffen auf Fiktionen. Der kurze Film vermittelt mit seinen exzentrischen Handschriften eine Idee des Arthousefilms von morgen. Frei von ökonomischen Zwängen kann sich der kurze Film verhalten, eine Haltung einnehmen, ganz anders als seine Schwester der Lange Film: die kurze Form ist lebendiger Spiegel in der Auseinandersetzung mit der Gegenwart. Jedes Jahr konkurrieren Filme in den Wettbewerben um die großen Preise. Dabei ist ein Alleinstellungsmerkmal der Wettbewerbe, die Aufhebung jeglicher Premierenpolitik. Eine andere Hamburger Eigenart ist der Flotte Dreier. Hier können Drei-Minuten-Filme zu einem zuvor bestimmten Thema eingereicht werden. Und mit dem Mo&Friese KinderKurzFilmFestival findet zudem eines der wenigen auf die jeweiligen Altersgruppen abgestimmten Kurzfilmfestivals für ganz junge Zuschauer weltweit unter dem Dach und in enger Kooperation mit dem KFF statt.

Das Herz des Festivals sind die Wettbewerbe, die Seele ist das Labor der Gegenwart. Die neugegründete Sektion versteht sich als Reflektionsort zu gesellschaftlichen Fragen. In großzügig angelegten kuratierten Programmreihen legen eingeladene Künstler*innen und Kuratoren*innen Fragen, Verhältnisse oder Kommentare zur Gegenwart vor, die kontrovers, engagiert und zukunftsweisend diskutiert werden. Das Forum, vertiefte Gesprächsrunden, in denen die Kurator*innen zusammen mit Gästen aus Kunst und Gesellschaft das Thema diskursiv verhandeln, begleitet die Filmprogramme. Die Hamburger Positionen bilden eine feste Konstante im Labor der Gegenwart. Diese neue Sektion, vermisst Hamburg unter unterschiedlichen Gesichtspunkten und wirft so ein vielschichtiges Bild auf eine wachsende Stadt.
 
Räumliches Zentrum des Festivals ist die POST am Kaltenkircher Platz. Neben Pop-up Kinos – drinnen und draußen, den Ausstellungsräumlichkeiten im Open Space, Festivalcafé, Bar und Musik am Abend, ist die POST vor allem ein Raum des Kennenlernens, Spaßhabens und des Dialogs. In den ehemaligen Postsortierhallen trifft ein filminteressiertes Publikum auf internationale Gäste, hier wird im FORUM kontrovers diskutiert, Standpunkte präsentiert und Fragen beantwortet. Offen für alle und umsonst. Und bei aller sinnlichen Herausforderung soll es nicht zuletzt auch eins bleiben: eine große Party!