Internationales Kurzfilmfestival Hamburg

Der Kurzfilm ist die offenste, experimentellste, schnellste, mutigste, abstrakteste, härteste, diskursivste, reaktivste Filmkunstform. Dabei muss er zugleich ungeheuer diszipliniert sein. Seine Kunst ist die Festlegung. Unter Umständen auf das eine Bild, die eine Einstellung, die eine Fahrt, den einen Dialog. Er hat keine Zeit. Er hat nur diese eine Chance. Man verzeiht ihm nichts. Er ist das Medium für die künstlerische Selbsterkundung, für die Suche nach der vorläufig absoluten Form, für die Unverschämtheit, für das Grenzwertige.

Die Anfänge der Filmgeschichte waren kurz. Die Jahrmarktsensationen bildeten Kurzfilme. Sie alle stammen aus einer Zeit, in der es noch keine Experimentalfilme gab, in der das Kino selbst noch ein Experiment war. Heute ist der Kurzfilm die andere Seite des Kinos, sein kinematografisches Labor, sein Unbewusstes und sein Gespür für das noch nicht Gezeigte, noch nicht Bebilderte, noch nicht Gesagte. Sein Ort ist viel zu selten das Kino oder auch das das Fernsehen und nur in Ausnahmefällen das Feuilleton.

Sein Ort ist das Internationale KurzFilmFestival Hamburg (IKFF). Seit seiner Gründung 1985 feiert das IKFF den unabhängigen Kurzfilm als eigenständige Kunstform, bringt Filmschaffende aus allen Teilen der Welt zusammen und vor ein debattierfreudiges Publikum. Das Festival spiegelt im Internationalen Wettbewerb weltweite ästhetische Tendenzen und neue narrativen Strukturen wider. Im Deutschen Wettbewerb versammelt es die landesweite Kurzfilm- und Filmhochschulszene. Und in unserer experimentellen Sektion, dem Deframed Wettbewerb (formerly known as NoBudget), werden Arbeiten gezeigt, die widerständiger, grenzwertiger, rauer, manchmal auch unfertiger sein dürfen. Formalästhetische Testreihen, Materialforschungen oder Zumutungen, die uns um Augen und Ohren fliegen können.

Eine andere Hamburger Eigenart ist der Flotte Dreier. Hier können Drei-Minuten-Filme zu einem zuvor bestimmten Thema eingereicht werden. Und mit dem Mo&Friese KinderKurzFilmFestival findet zudem eines der wenigen auf die jeweiligen Altersgruppen abgestimmten Kurzfilmfestivals für ganz junge Zuschauer weltweit unter dem Dach und in enger Kooperation mit dem IKFF statt.

Die Verbreitung der Kunstform Kurzfilm, die Unterstützung unabhängigen Filmschaffens und das Entdecken noch unbekannter Filmemacher und Filmemacherinnen zählt zu seinen wichtigsten Aufgaben und grundiert seinen Erfolg. Dank der unter dem Dach der KurzFilmAgentur Hamburg e.V. (KFA) befindlichen Abteilungen Verleih, Vertrieb und Archiv können Kurzfilme auf direktem Wege gefördert und vermittelt werden. Als Teil der KFA hat das Festival also alle Möglichkeiten, Produktionen weltweit zu vertreiben und Filmemacher und Filmemacherinnen international bekannt zu machen.

In Zahlen bedeutet das IKFF rund 400 Filme vor 14.000 Besuchern. In internationalen und nationalen Wettbewerben und in sorgfältig kuratierten Sonderprogrammen, die sowohl aktuelle Filmkunst ausstellen als auch Rückbezüge zur frühen stilbildenden Avantgarde nehmen. Neben Länderschwerpunkten werden Werkschauen einzelner Künstler präsentiert oder ein filmisches Motiv und seine Entwicklung liebevoll durch alle Genres und Spielarten des kurzen Films verfolgt.

Auch das Internationale KurzFilmFestival Hamburg muss sich in der Masse von nationalen und weltweiten Festivals mit Eigensinn und einer Wertigkeit positionieren, die unter dem Strich mehr ist als die Summe seiner Teile. Die Wettbewerbe, Sonderprogramme und sein atmosphärisches Festivalzentrum sind seine Teile. Zusammen mit den Kurzfilmen, den Filmschaffenden und dem Publikum wird es sicher mehr als diese sein und bedeuten.

Und bei aller sinnlichen Herausforderung soll es nicht zuletzt auch eins bleiben: eine große Party!

 

 

Foto: Xenia Zarafu