Festivalgeschichte

Alles begann bei der LAG Film, wo man eine basishafte Betreuung für Leute betrieb, die sich dem Filmemachen widmeten. Von dort aus machte sich Festivalgründer Markus Schaefer 1985 mit seinem Konzept eines Kurzfilmabends ins Metropolis Kino auf, um dieses dem damaligen Geschäftsführer Heiner Roß vorzustellen. Die Werke, die zum Teil in der LAG entstanden, zum Teil nach einem Aufruf in regionalen Zeitschriften eingereicht wurden, überzeugten Roß nicht nur in ihrer akademieunverdächtigen Machart, sondern entlockten ihm auch eine spontane Einstufung, die zum Gründungsnamen und Geist des Festivals wurde. Das damals im Enstehen begriffene Low Budget Filmfestival im Blick, sagte Heiner Roß: „Wenn die Low Budget sind, ist das No Budget!“

Gesagt, getan. Ein Filmabend wurde angesetzt, und Dank eines übervollen Kinos fiel der Schritt, im kommenden Jahr nachzulegen, nicht sonderlich schwer. 1987 zeigte sich das Festival zum ersten Mal in längerer Form als bloß ein Filmabend zu sein. Eine bis heute anhaltende Entwicklung hatte eingesetzt. Die Veranstaltung gewann an Bekanntheitsgrad, die Einreichzahlen stiegen. Ein ganz anderes Einschreiten verhinderte ein mögliches frühes Ende dieser Entwicklung.

Nur mittels einer Ausfallbürgschaft seitens des Filmbüros und durch Zuschüsse vom SPIEGEL und der GAL konnte die 87er-Ausgabe dankenswerterweise über die Bühne gehen. Gar nicht nebenbei bemerkt, arbeitete Markus Schaefer bis zur Gründung der KurzFilmAgentur über acht Jahre auf ehrenamtlicher Basis. Beides klingt aus heutiger Sicht nach einer Zeit von Eiersalat mit Kaviarersatz. Schließlich hatte die Stadt Schaefer nicht gebeten, dieses Festival zu machen. Jedenfalls bis sie ein Jahr darauf nach zähen Verhandlungen Fördermittel bewilligte.

Verschiedene Phasen hat das Festival seitdem durchgemacht, wobei es sich stets unbeirrt der stärkeren Sichtbarmachung des Kurzfilms – ohne jegliche Einschränkung zeitgemäßer Vorführformate oder anderen Kategorisierungen – verschrieben hat. Die Kunstform also, die „ihren radikal künstlerischen Anspruch innerhalb und außerhalb der Filmindustrie behauptet. Die nahezu jedes neue Element der Filmsprache entwickelt, erprobt und zur Reife gebracht hat und in alle Bereiche des Filmschaffens eindringt.“ Kurz: „Der Nukleus des Films.“ (Heiner Roß)

Das Festival hat kontinuierlich sein Angebot erweitert und dabei stets zwischen Modischem und Relevantem zu unterscheiden gesucht. Es hat 1988 mit dem Flotten Dreier Wettbewerb das Filmemachen unter verschärften Bedingungen eingeführt. 1994 wurde – nach der vierjährigen Übergangsphase einer Steppin’ Out genannten Sonderreihe – der zusätzliche Internationale Wettbewerb eingeführt, nachdem seit Ende der 80er-Jahre faktisch zunehmend mehr Filme eingereicht wurden, die unter professionelleren Bedingungen produziert worden waren. Es hat 1995 eine Programmschiene gestartet, die sich ausschließlich dem Digitalen Video widmete, lange bevor man anderswo überhaupt bereit war, dieses dem Kino zuzurechnen, und es hat das Programm nach zehn Jahren eingestellt, als es für ein solches Reservat keinen ernsthaften Anlass mehr gab. Es hat – neben der konsequenten Beibehaltung des einzig wahren Jubilars NoBudget – mit der Gründung des Teams Radikaler Anhänger Sehenswerter Heimvideos deutlich gemacht, dass jenseits akademischer Ausbildung eine äußerst lebendige und unausgebildete Parallelwelt existiert, in der schon immer ohne garantiert gut sichtbaren Theorienbauchladen das umgesetzt wurde, was längst jeder Depp auf Kommando abrufen kann: Authentizität.

Einschub: Mit der 1992 aus dem Festival hervorgegangenen KurzFilmAgentur e.V. hat man sich ganzjährig und umfassend um die Verbreitung des Kurzfilms gekümmert und somit den Filmenden eine Möglichkeit geboten, Einnahmen aus ihrem Schaffen zu erzielen. Mit dem KurzFilmVerleih wurde mit stetig wachsendem Erfolg der Vorfilm in Kinos wieder eingeführt, bevor bald darauf mit dem KurzFilmVertrieb der Rechtehandel für Fernsehsender und später auch für Online-Ausstrahlungen aufgebaut wurde. Allerdings muss man weiterhin mit großer Hartnäckigkeit gegen eine verbreitete Haltung angehen, nach der diese Filmform nichts kostet, oder genauer gesagt nicht mehr Wert hat, als besonders Schlauen den Content für ihre Plattformen liefern zu dürfen.

Mit der Gründung der KFA kamen auch zusehends mehr Menschen in den Genuss, die unzureichenden Arbeitsbedingungen mit höchstem Improvisationsvermögen auszugleichen, wodurch manche früher, manche später ihren Platz räumten. So blieben die Bürostühle immer schön warm.

Das Festival hat 1995 ein Kinderfilmprogramm eingeführt, aus dem das Mo&Friese KinderKurzFilmFestival hervorgegangen ist. Es hat 2003 dem mittlerweile äußerst erfolgreichen A Wall Is a Screen einen Startpunkt geboten, der eine seit zwei Jahren verstärkt geführte Diskussion über die Zukunft des Spielorts Kino vorweggenommen hat.

Es hat den Festivalcharakter gestärkt, indem 1999 mit dem Club ein allabendlicher Treffpunkt eingerichtet wurde.

Verständlicherweise feierte man sich nebenbei auch immer selbst, und zwar ohne einerseits die Wichtigkeit der Filme aus den Augen zu verlieren und andererseits diese nicht vor sich herzutragen, als gäbe es sonst nichts zu tun. Nicht von ungefähr kam es Mitte der 90er zur vergleichenden Einschätzung eines Juroren, nach der man anderswo zur Abreise den Eindruck habe, eine Beerdigung zu verlassen.

So hat sich der Ruf des Festivals noch weiter verstärkt, ein Ort zu sein, an dem alle mit Freude zusammenkommen können, die eine solche Veranstaltung ausmachen. Filmemacherinnen, Besucherinnen und ihre jeweils männlichen Entsprechungen wurden gleichermaßen gastfreundlich behandelt, egal ob man roch oder nicht. Denn gemeinsam den Kurzfilm zu feiern war stets der zentrale Punkt, auf den sich alle einigen konnten.