Internationaler Wettbewerb - Allgemeines

Dieser Wettbewerb spiegelt die aktuelle internationale Kurzfilmproduktion und versammelt eine Auswahl von Kurzfilmen aller Gattungen. Anders als bei vielen anderen Kurzfilmfestivals sind hier sowohl kurze Spielfilme als auch Dokumentarisches, Animiertes und Experimentelles nebeneinander zu sehen. Gerade die sorgfältige Mischung der Filmarten und -genres ist es, die den Internationalen Wettbewerb unseres Festivals so besonders macht. Da kann es passieren, dass eine experimentelle Welturaufführung aus Thailand neben einer Coming-out-Geschichte aus Polen landet oder dem juüngsten Gewinner von Locarno. Und genau diese Platzierung steuert allen Kurzfilmen einen wundervollen Mehrwert bei. Weil sie Kontinente übergreifende Querverbindungen schafft, ästhetische Parallelen oder funkende Gegenströmungen aufzeichnet.

Die ausgewählten Filme konkurrieren um den Hamburger Kurzfilmpreis (3000 Euro), der von einer fünfköpfigen Jury vergeben wird. Das Publikum kürt den besten Kurzfilm aus Internationalem und Deutschem Wettbewerb und prämiert diesen mit dem Publikumspreis, dotiert mit 1500 Euro.

Internationaler Wettbewerb 2016 im Detail

The Making of a Memory

 

Ankommen. Anstellen. Platz finden. Hinsetzen. Licht aus. Einatmen. Ausatmen. Augen zu. Augen auf. Vorhang auf. Bild an. Und dann kommen sie. Die Gespenster. Dafür haben wir bezahlt. Für diese Lichterscheinungen. Diese transparenten Phantome der Bewegtbilder, die sich ganz von selbst mit unserer visuellen Erinnerung, unserem unbewussten Bilderkanon, aber auch unserem sehr bewussten Referenz- und Kopfkino vermischen. Das ist der Vertrag zwischen Publikum und Projektion, der schon zu so manchen wilden Theorieanfällen in der Filmwissenschaft geführt hat. Womöglich ist keine Filmart so spooky und verwegen wie der Kurzfilm. Eine höchst reaktive Materie, die sich selbst in Bild- und Farbschichten seziert, in unmögliche erzählerische Gleichzeitigkeiten begibt oder ihren Filmkörper zerschneidet, bis nichts mehr bleibt außer blanker Rhythmus, Mechanik, der Schnitt selbst. Oder – auch dafür haben wir Beispiele in unserer diesjährigen Auswahl –, bis nichts mehr ist außer ausgleißende Flächen oder beschleunigte Teilchen aus Licht und Abdrücken einer längst zurückgelassenen, längst surreal gewordenen Welt.

 

Die 2016-Edition des Internationalen Wettbewerbs ist ein selten wundervolles Gespensterjahr geworden! Ganze Filme waren zwischendurch verschwunden, von Künstler oder Galerie zurückgezogen, wollten lieber als Skulptur im Museum gesehen werden und in Limitierungen ihre Wertsteigerung erfahren. Berührungsängste zwischen white cube (Galerie, Kunstmarkt) und black box (Kino, mit womöglich applaudierendem Publikum) sind ein sehr altes und ungebrochen bedauerliches Phänomen. Und dennoch liegt genau in dieser stumpfen Verkennung der Instanz ›Festival‹ als semi-künstlerischem Bolzplatz auch die ungeheure Kraft und Befreiung des Spielortes ›Festival‹ begründet. Denn gerade das Kurzfilmfestival verleiht dem experimentellen Film Ereignischarakter in und durch eine internationale Rezeption. Es bedeutet wie vielleicht keine andere Präsentationsfläche Öffentlichkeit, Diskurs und kontinenteübergreifende filmästhetische Querverbindungen.

 

In diesem Jahr sind wir besonders stolz und aufgeregt, welche Filme ins Köpfchen, welche ins Töpfchen gewandert sind. Welche Geister spurlos davonzogen und welche geblieben sind und euch und uns nun nach allen Regeln der Kinokunst eine Woche verstören. Habt keine Angst! Und sehet selbst!

 

Text Birgit Glombitza

Filmauswahl Film selection Thorkil Asmussen, Jan Feddersen, Birgit Glombitza, Frank Scheuffele, Hanna Schneider, Helena Wittmann