Deutscher Wettbewerb - Allgemeines

Dieser Wettbewerb lenkt den Blick auf neue Kurzfilme aus Deutschland und gibt einen Überblick über aktuelle Themen sowie ästhetische und technische Tendenzen. Hier bietet sich die Möglichkeit, neue Talente zu entdecken und das Schaffen prominenter Kurzfilmer zu verfolgen. Denn schon traditionell bildet der Deutsche Wettbewerb einen Querschnitt ab der unabhängigen Filmemacher und Produktionen sowie der hiesigen Filmhochschulen.

Alle ausgewählten Filme – sowohl Spielfilme als auch Dokumentar- und Experimentalfilme sowie Animationen – bewerben sich um den Jurypreis (2000 Euro). Das Publikum kürt den besten Kurzfilm aus Internationalem und Deutschem Wettbewerb und prämiert diesen Publikumspreis der mit 1500 Euro dotiert ist.

Deutscher Wettbewerb 2016 im Detail

Das hintergründig Offensichtliche

Dieses Jahr wird genau hingeguckt: auf das Alltägliche und das Besondere, auf das Normale und das Ungewöhnliche, und natürlich auch auf das Leichte und Tragische. Auch wenn es auf den ersten Blick in manchen Fällen ausschließlich Oberfläche zu geben scheint, drängt sich beim Zuschauen dennoch die beunruhigende Ahnung auf, dass sich da mehr verbirgt, als es den Anschein hat, sodass ein erneutes Anschauen zum Verstehen unabdingbar wird. In vielen Fällen sind es gerade die spezifischen Einzelschicksale und die vermeintlich bedeutungslosen Details, welche es dem Betrachter ermöglichen, eine Idee des Erhabenen, Allgemeingültigen und Abstrakten, das sich hinter dem konkreten Objekt der Betrachtung verbirgt, und welches sich nur in Bilder, aber nicht in Worte fassen lässt, zu entwickeln.

In unserem Krähenwinkel träumen wir von Schätzen, anderen Welten und Selbstverwirklichung, während wir den Fischen lauschen und uns fragen: »Schlagen Wolkenpumpen Wurzeln?« Wenn das Umfeld und die Bürokratie sich blind stellen, während die Anwender so monoton wirken wie ihre Computer und die Strukturen an der Oberfläche stumm bleiben, bleibt der Ausruf »See me!« meist ungehört. Die ›Escalating Frames‹ beginnen scheinbar harmlos mit einer Badewanne, führen dann über eine vermeintlich uninteressante Gemeinde und ein rotes Kleid zu einer Welt, in der Glaube und Wahnsinn eins sind, um schließlich unausweichlich in den Klängen eines Ohrwurms und den Tiefen des Internets und der persönlichen Biografie zu enden. Ein gemeinsamer Urlaub, plötzliches Verschwinden, Bigotterie, institutionelle Grausamkeit und unmenschliche Arbeitsbedingungen stellen die ›Familienbande‹ auf die Probe. In ›Komplementärfarben‹ schließlich wird Anschluss gesucht und Tiere und Menschen werden zu Opfern und Tätern, bevor am Ende ein neuer Tag beginnt.

Wir wünschen den Zuschauern wie jedes Jahr wieder viel Spaß beim Betrachten des offensichtlich Ersichtlichen und beim Entdecken der Tiefen, Abgründe und Hintersinnigkeiten, die sich dahinter verbergen.

Text Lars Frehse

Filmauswahl Lars Frehse, Alexandra Gramatke, Anne Jagemann, Nadine Mayer, Stine Wangler